5 Schritte in die Selbstständigkeit
März 10, 2009 von Seolicious
Wer sich hobbymäßg im Bereich Online-Marketing bewegt, bekommt früher oder später mit, dass man damit weitaus mehr als nur Taschengeld verdienen kann. Unzählige Blogger prahlen mit ihren Blogeinnahmen, Keyworddomains werden zu Preisen verkauft, für die man sich ein Einfamilienhaus leisten könnte, und viele sogenannte “Superaffiliates” verdanken ihr öffentlich publiziertes Luxusleben ausschließlich dem Internet.
Schnell entsteht der Gedanke, ob man seine berufliche Zukunft nicht noch einmal überdenken und einen anderen Weg einschlagen sollte. Wieso das ganze Leben lang “normal” sein Geld verdienen, ohne dabei auch nur die Chance in greifbarer Nähe zu haben, dass man irgendwann ausgesorgt und von seinen Zinsen leben könnte?
So verlockend die ganze Geschichte von der Selbstständigkeit im Internet auch klingt, wohlüberlegt und lückenlos durchgeplant sollte der Schritt sein. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es ist auch im Internet nicht alles einfach verdient. Es ist viel Motivation, Kreativität, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen gefragt.
Da ich nun selber ein Jahr lang selbstständig bin, möchte ich die aus meiner Sicht wichtigsten Schritte auflisten.
1. Rücklagen bilden
Während man nebenbei im Internet Geld verdient, sollte man Ersparnisse zurück legen. Diese Ersparnisse sollten in etwa immer so hoch sein, dass man als Selbstständiger einige Monate ohne Einnahmen überbrücken kann, um evtl. einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.
2. Einnahmen- /Ausgabenübersicht
Wenn man der Meinung ist, dass seine monatlichen Einnahmen aus dem Internetgeschäft ausreichen, um die Tätigkeit hauptberuflich ausführen zu können, sollte man alle zukünftigen Ausgaben und Einnahmen gegenüber stellen. Bei mir sieht das wie folgt auf:
- Einnahmen:
- Zanox, Affili.net, andere Partnerprogramme… (immer beachten, dass Partnerprogramme nicht immer pünktlich auszahlen, teilweise auf Grund unbewussten Regelverstößen garnicht ausbezahlen)
- Linkvermietungen
- Zinsen aus Vermögen
- Geschäftliche Ausgaben:
- Steuern (Einkommenssteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuervorauszahlungen)
- Gebühren bei der Industrie- und Handelskammer (IHK)
- Steuerberaterin (für den Anfang ganz hilfreich, aber nicht unabdingbar)
- Server/Webspace, Domaingebühren, Internet/Telefonanschluss, sonstige Providerkosten…
- Versicherungen (Rechtsschutzversicherung, gewerbliche Haftpflichtversicherung)
- mögliche Kosten entstehend durch Rechtskonflikte, Abmahnungen, Urheberrechtsverletzungen etc.
- Private Ausgaben:
- Miete
- Versicherungen (Private Krankenversicherung, private Rentenversicherung, KFZ-Versicherung, Hausratversicherung etc.)
- Auto (Benzin, KFZ-Steuer)
- Sonstiges
Können die Ausgaben voraussichtlich nur gedeckt werden bzw. gibt es keine Überschüsse? – Finger weg! Insbesondere im Internet kann man seine Einkünfte schlecht vorhersehen. Man kann seine Geschäftsgrundlage sehr schnell durch Rankingabstürze in Suchmaschinen, rechtliche Probleme oder externe Serverangriffe verlieren. Das muss also einplant werden! Allgemein ist eine Selbstständigkeit im Internet immer mit großem Risiko verbunden, aber es gilt dieses Risiko so gering, wie nur möglich zu halten.
Wie hoch die Einnahmen nun sein müssen, hängt ganz vom Lebensstil ab. Darüber kann man keine allgemein gültigen Aussagen treffen. Ich bin allerdings der Ansicht, dass man unter 3000 Euro Brutto monatlich nur auskommt, aber nicht zukunftsorientiert auskommt. Hierbei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man erst 16 , wie der Herr im Interview, ist oder schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. Auch als Minderjähriger muss man hohe steuerliche Abgaben leisten. Auch als Minderjähriger möchte man später sorgenfrei leben. Auch als Minderjähriger möchte man einen gewissen Lebensstandard. Wer dieses Streben nach Erfolg anprangert, der sollte sich lieber mal die Gegenseite – die perspektivlosen, gewalttätigen Harz4-Anwärter – anschauen.
3. Risikostreuung
Es ist sehr riskant seine Existenz auf einem Webprojekt aufzubauen. Wenn schon ein Zugpferd den Lebensunterhalt sichert, dann sollte man versuchen weitere Standbeine aufzubauen, natürlich dabei sein Zugpferd nicht vollkommen vergessen. In der Regel bleibt bei bereits gut laufenden Projekten immer genug Zeit für neue Dinge. Diese Zeit sollte man effizient nutzen und sich nicht auf seinen alten Lorbeeren ausruhen.
Mit der Zeit merkt man, dass die Einnahmen unterschiedlicher Projekte sehr stark schwanken. Mit mehreren Projekten sollte man durch die Risikostreuung immer ein gesundes Mittelmaß finden.
4. Rücklagen bilden
Das Thema “Rücklagen bilden” stand schon anfänglich, allerdings sollte man diesen Punkt auch noch vorangeschrittener Zeit immer im Auge halten. Auch wenn die Gewinne in die Höhe sprießen, muss man sich immer dem “Worst Case” bewusst sein. Wer weiß, ob man in 10 jahren immernoch die Möglichkeit hat, Geld im Internet zu verdienen. Mich persönlich motiviert auch, von wievielen Monaten im Jahr ich jetzt schon von Zinsen leben kann. Ziel sollte also nicht sein, sich sein ganzes Leben irgendwie über Wasser halten zu können, sondern im mittleren Alter beruhigt, ohne Existenzangst leben kann.
5. Schweigen
Dieser Punkt muss nicht unbedingt am Ende stehen. Ich habe bereits oftmals den Fehler gemacht, meine besten Einkommensquellen zu verraten, einfach weil ich mich mit meinem jugendlichen Leichtsinn profilieren wollte. Dies schürt natürlich Konkurrenz ohne Ende. Demnach rate ich davon ab seine Verdienste in Blogs oder Foren zu veröffentlichen. Beneidet zu werden, ist zwar manchmal ein gutes Gefühl, aber weiterhelfen tut es niemandem.
Ich habe mir recht viel Zeit für diesen Post genommen, auch weil ich meinen persönlichen Weg zurückblickend betrachten wollte. Mein Gefühl sagt mir, dass ich momentan bei der Risikostreuung, also dem dritten Punkt, angelangt bin und dies sicherlich noch ein paar Jahre so gehen wird. Wer nach diesem Beitrag Blut gerochen hat, dem kann ich nur empfehlen, es einfach auszuprobieren. Das Schöne am Online-Marketing ist doch, dass man wenig Investitionskosten hat. Geht nicht den Weg der Masse, geht euren eigenen Weg. Macht euch bewusst, dass ihr nicht von einen auf den anderen Tag zum Millionär werdet, aber macht euch bewusst, dass ihr mit Motivation auf lange Sicht sehr viel mehr erreichen könnt.
Was habt ihr für Meinungen? Wieviel Einnahmen braucht ein Selbstständiger monatlich brutto? Welche Zukunft hat Online Marketing? Bin gespannt…
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das war doch mal ein etwas anderes posting, als die normalen beiträge über seo.
find ich gut.
im endeffekt seh ich das genau wie du.
wieviel netto einkommen im monat reicht… vor allem um nach ein paar jahren hohe rücklagen zu haben… keine ahnung.
ich denke das man mit 5000-10 000 gut zurecht kommen dürfte. vor allem wenn man ein teil des geldes gleich weiter in projekte, oder dinge außerhalb des internets investiert. dann sollte man sich ziemlich schnell einen schönen puffer angelegt haben.
Hallo Benjamin!
Das Thema hatten wir ja schonmal beim ersten Interview mit Yannick in meinen Blog. Lies Dir mal die damaligen Antworten durch. Es gab eine ziemlich kontroverse Diskussion.
Das Online Marketing hat meiner Meinung nach eine große Zukunft. Die Old Economy ist noch lange nicht so weit, dass onlinebizz für sich entdeckt zu haben. Da kommt also noch gewaltiges Potential.
Guter Beitrag!
Wirklich ein sehr interessantes Thema das du hier ansprichst.
Passt auch sehr gut zur “offline” Existenz-Gründung.
Ich bin gerade genau in der Problematik und solche Beiträge sind immer wieder schön und interessant zu lesen.
Danke dafür!
Interessanter Artikel! Vor Risikostreuung sollte meiner Meinung nach aber auch noch die auf Erfolg strebende Projektentwicklung. Man sollte meiner Meinung nach immer ein Optimum anstreben und dieses Optimum variert je nach Projekt. Ansonsten betrifft mich der Artikel in der gegenwärtigen Situation auch. Aktuell stecke ich mit der Selbstständigkeit mitten drin.
Ich muss sagen, schöner Artikel. Hätte ich nicht besser schreiben können
Guter Artikel. Oft ist man nach solchen Überschriften enttäuscht – diesmal aber nicht
der punkt “schweigen” war aber doch unnötig
Netter Beitrag, Dankeschön!
Du hast etwas vergessen…. eine Bank mit Verständnis, wenn mal der Rubel nicht so rollt wie er sollte.
Christian
Hallo Benjamin,
ich bin selber schon viele Jahre im Geschäft und muss sagen, von Deiner Entwicklung bin ich echt überrascht. Kann mich noch an die ersten Schritte mit Deinem SMS Projekt erinnern.
Respekt und Hut ab.
Rücklagen schaffen ist für mich das Wichtigste.
In den Jahren gab es immer ein stetiges auf und ab und hätte ich da nicht auch Rücklagen gehabt um Durststrecken zu überstehen oder Investitionen zu tätigen wäre ich schon längst weg vom Fenster.
Dieses auf und ab wird es auch in Zukunft geben.
Wieviel Einnahmen braucht ein Selbstständiger monatlich brutto?
Das schöne an unserem Geschäft ist doch das man es von allen Orten der Welt ausüben kann.
Deutschland ist da sicherlich einer der schlechtesten Orte von wo aus man sein Geschäft betreibt.
Somit ist es auch ortsabhängig, wie hoch die Einnahmen sein müssen um ein sorgenfreies Leben, leben zu können.
In Thailand lebt es sich besser und billiger als in Schweden.
Welche Zukunft hat Online Marketing?
Die Zukunft wird es zeigen. Bis jetzt hat jeder, der den nötigen Biss in seine Projekte legt die Möglichkeit erfolgreich zu sein und reich zu werden.
Jedoch wächst der Vorsprung der professionellen Agenturen schnell. Von daher ist es wieder einmal wichtig schnell Rücklagen zu schaffen für den Fall das man als kleiner keine Chance mehr bekommt.
Hat man in den guten Zeiten Geld in der Hinterhand dann braucht man auch keine Bank mit Verständnis.
Grüße Lollo
Klasse Post! Endlich mal ein sinnvoller Post in der Woche in meinen Feeds. Also Rücklagen bilden ist wohl der wichtigste Punkt. Auch die PKV ist ein dicker Geldbatzen den man aber gerne bezahlt, wenn man das Gefühl der Selbständigkeit kennt
Achso “SCHWEIGEN” ist leider in der Seoszene ein sehr großes Thema geworden. Leider gibt es zuviele Neider, die das leichtsinnige Veröffentlichen von Infos ausnutzen. Also mein Tipp, wie hier schon beschrieben, schweigen networken im geringen Maße.
Der Punkt mit den Rücklagen ist wichtig. Besonders wegen der Steuer. Da ist schon so mancher auf die Fr**se gefallen, wenn nach einem “goldenen Jahr” das Finanzamt geklingelt hat.
Guter Artikel ,
allerdings für mich kaum noch was neues mehr , da ich schon sehr lange Selbstständig bin. Ausser der Punkt “mögliche Rechtskonflikte…” etc. würde bei mir unter Rücklagen fallen.
[...] SEOlicious wurde ein schöner Artikel mit Tipps zur Selbstständigkeit veröffentlicht. Genauer gesagt fünf Tipps IN die Selbstständigkeit. Da der Beitrag auf einem SEO [...]
super übersicht! finde, dass sich einige den job im online marketing business ohnehin ein wenig zu einfach vorstellen. ein risiko ist auch immer die abhängigkeit der suchmaschinen, man wird nie ein ruhiges und geregeltes leben führen können, es sei denn man hat mehrere gut gehende einnahmequellen ausmachen können. ich würde zum einstieg empfehlen es als neebnjob anzusehen. internet ist eben auch nicht alles
Ich denke, dass es sehr viele verschiedene Wege gibt in die Selbständigkeit. Eine Möglichkeit, die meines Erachtens auch auch öfters vorkommt ist, dass man als Angestellter die Option bekommt sich mit einem Projekt selbständig zu machen.
Es geht bestimmt leichter, wenn man nicht nur eigene Projekte macht, sondern auch Kunden hat. Weiter Kenntnisse neben SEO können sicher auch helfen um zu starten. Beispielsweise als Programmierer, Grafiker, Animationen etc.
Ich habe versuche es selbst zurzeit, auf eine sehr ungewöhnliche Weise, die bis jetzt sehr erfolgsversprechend aussieht. Mehr darüber gibts in meinem Blog.
Ich habe großen Respekt vor jedem der sich selbständig macht. Ich würde mich das nicht trauen, gerade in der momentanen Krise.
Wobei es natürlich viele Vorteile hätte selbständig zu sein!
Guter Artikel, hat mir noch einen Denkanstoß in die eine oder andere Richtung gegeben!
Werde dieses Jahre meine Ausbildung zum Anwendungsentwickler abschließen.
Danach werde ich nochmals für einige Jahre die Schulbank drücken. Je höher der Abschluss in der heutigen Zeit, desto besser.
In dieser Zeit habe ich vor, mir ebenfalls eine eigene Existenz aufzubauen. Ist also mehr oder weniger ein Nebenjob und hab dadurch nicht viel zu verlieren. Und Programmier- und Projekterfahrung hab ich durch meine Ausbildung ja schon ein wenig gesammelt.
Der Artikel ist gut verfasst. Ich finde es gut, dass du nicht nur die positiven Dinge aufdeckst, sondern auch auf die “Schattenseiten” eingehst.
Außerdem sollte bedacht werden, was vor ca. 10 Jahren passiert ist. Das gleiche wie jetzt im Grunde genommen. Internetseiten wurden mit astronomischen Preisen gehandelt, und der Markt brach zusammen.
Ich muss sagen, dass deine Kostenliste (leider) ziemlich realistisch ist. Nicht nur, dass die anfallenden Kosten sich auf die Internetnutzung beziehen-auch die weiteren Zusatzkosten, wie Versicherung, die durch die Selbständigkeit entstehen, müssen einberechnet werden. Dann habe ich mir auch noch ein Auto zugelegt, das selbstverständlich auch seinen Unterhalt fordert, aber eine Kundenakquise ist natürlich nur so möglich. Da auf einen grünen Zweig zu kommen, ist wirklich nicht leicht-ein Mal geschafft, hat man vielen eindeutig schon etwas voraus.